Zen: Dieses kleine und geheimnisumwitterte Wort, das gegenwärtig überall „in” ist, bildet in Japan einen integralen Bestandteil der Kampfkünste. Wir versuchen Ihnen eine Einführung in diese für jeden Karateka so wichtige Meditations-Lehre zu geben.

ZEN Karate

In Japan ist der Zen untrennbar mit den Kampfkünsten verbunden. Konfrontieren Sie keinen Japaner, der Budo beherrscht und seinen eigentlichen Wert schätzt, mit der Frage: „Ist Zen bei Karate oder bei den Kampfkünsten wirklich unbedingt notwendig?” Sie werden nur ein Lächeln ernten. Budo ohne Zen ist undenkbar, es sei denn, man lässt es soweit wie in Europa oder Amerika kommen, wo Budo nur ein schwacher Abglanz dessen ist, was er in Japan bedeutet. In diesem Zusammenhang: „Fehler und Irrtümer werden es immer leichter haben als die Wahrheit, die stets einen steilen und beschwerlichen Weg gehen muss.” Bevor man jedoch die Beziehung zwischen Zen, Karate und dem gesamten Budo zu verstehen versucht, muss man betonen, dass es eine ganz einfache Sache ist, einen Faustschlag auf der Nase des Gegners zu landen! Es bedarf keines großen Verständnisses, wenn man sich nur in einen Saal stürzt, in dem ein folkloristisch gekleideter Lehrer thront, der eher ein Meister des Geschäftes als der Kunst ist, die er vorgibt zu lehren!

Zen Meditation Karate

Wir befinden uns in einer Zeit, in der Disziplinen erfunden werden, und in der die „Großen Meister” aus dem Boden schießen, wie die Gänseblümchen auf der Wiese . . . Wenn Sie aber den wirklichen Vätern der Kampfkünste nacheifern wollen, müssen Sie sich intensiv mit geistigen Werten, mit der richtigen Wahrnehmung Ihrer Umwelt und mit den verschiedenen Geheimnissen der Welt beschäftigen. Trotz seiner Kompliziertheit ist Zen nur die Tür zu einem Weg, auf dem Sie nie aufhören werden, zu lernen. Mancher wird entgegnen, dass der Mensch im Westen nicht für die fernöstlichen Lehren geschaffen ist. Dies ist jedoch ein Irrtum. Jeder kann sie begreifen, er muss nur wollen. Der Mangel an Geduld, der bei vielen Aktiven der Kampfkünste in der Ausbildung festzustellen ist, ist auf eine mangelnde Vorbereitung zurückzuführen. Die richtige Vorbereitung besteht aus strikt eingehaltenen Meditationsübungen. Aber in diesem Zusammenhang ist es unbedingt erforderlich, dass man von einer fachkundigen Person geleitet wird.

 

Was ist nun Zen?

Wenn Sie diese Frage einem Roshi (Obermönch) stellen, wird er Ihnen mit dem Nyoi oder Choujyo (Befehlsstab) einen Klaps auf den Kopf versetzen, bevor Sie Ihren Satz überhaupt zu Ende geführt haben.

Damit soll Ihre westliche Argumentationsweise gebrochen werden, bei der alles analysiert wird und das Gefühl für die Realität und die menschlichen Empfindungen verlorengeht. Um auf die Kampfkünste, oder wenn Sie wollen, auf Karate zurückzukommen, möchte ich Ihnen vor allen Dingen einen Rat geben. Fragen Sie den Sensei, unter dessen Kommando Sie Ihre unzähligen Tsuki und Maegeri einstudieren nicht nach dem WARUM. Führen Sie die Übungen aus, Sie werden sie schließlich ohne Hilfe verstehen lernen. Dies ist aber nur die Vorstufe und ein Beispiel unter hunderttausenden. Glauben Sie, Ihre Bemühungen sind nicht mit Gold aufzuwiegen.

 

Zen und Dhyana

Das Wort ,Zen’ (tch’an im chinesischen) ist eine Abkürzung von Zen-na oder Tch’an-na, der Übersetzung des chinesischen Wortes ,Dhyana’ oder ,Jhana’. Allein daraus geht klar hervor, dass weitgehende Verbindungen zwischen Zen and diesen Übungen bestanden, die schon zu Zeiten Buddhas, d. h. schon in den Anfängen der Hindu-Kultur eingeführt wurden. Dhyana wird gewöhnlicherweise durch das Wort „Meditation“ übersetzt. Die Grundidee ist die Meditation über die Wahrheit in einer Art und Weise, das man sich vollkommen ihres Wertes bewusst wird und sie praktisch in das Bewußtsein eingraviert. Man gibt sich der Meditation an einem ruhigen Ort hin, der fernab von dem Lärm und dem Durcheinander unserer Zeit liegt. Auf diese Dhyana wird in der Hindu-Literatur sehr oft Bezug genommen. „An einem ruhigen Ort zu sitzen und sich ausschließlich der Meditation hinzugeben”, ist ein Satz, den man überall in den heiligen Schriften (Agama) antrifft.
In diesem Zusammenhang muss eine Zen-Redensart erwähnt werden:

„Jemand, der am Morgen den Sinn des menschlichen Daseins erkannt hat, kann am Abend ohne Furcht dem Tod gegenübertreten.”

Nähere Erläuterungen und eine Vielzahl von Anekdoten finden Sie in den „Essays über den Zen-Buddhismus” von Daisetz Teitaro Suzuki. Es gibt unzählige Aktive im Karate, die jammern bzw. sich beklagen oder gar vor Schmerz aufheulen, wenn sie einmal von einem Schlag getroffen werden, auch wenn er noch so leicht sein mag. Nun, ein psychischer und physischer Schmerz bei geringen Anlässen zeugt von einer Charakterschwäche. Dies ist jedoch das Schicksal vieler Menschen im Westen. Dies erinnert an einen Satz des Meisters Tchan de Pao-Fou, der bei einem Zusammentreffen mit einem Mönch, seinen Stab ergriff und zunächst dem nächstgelegenen Pfeiler und dann dem Mönch einen Schlag versetzte. Dieser stieß natürlich einen Schmerzensschrei aus. Der Meister deutete anschließend auf den Pfeiler und stellte die Frage: „Wie kommt es eigentlich, dass er nicht verletzt ist?” (Im Zen wird ein Gegenstand nicht mit dem Namen genannt.)

Karate Buddhismus

Während der Ausbildung im Karate, Aikido oder in einer anderen Disziplin verschwenden viele Schüler ihre Zeit mit dem Stellen nutzloser Fragen. In dieser Zeit sollten sie lieber an ihrer Technik arbeiten und feilen. Durch Plaudereien werden die Muskeln nicht geschmeidig, und der Intellekt blockiert nur die Intuition, die unentbehrlich ist, wenn sie echte Karatika werden wollen. Hier nun ein weiteres Beispiel für die Zen-Lehre: „Wenn ein Mönch fragt, wer Buddha ist, dann zeigt der Meister auf dessen Bild im Buddha-Tempel.” Es wird keine Erklärung gegeben, und es wird kein Argument vorgebracht. Wenn der „Geist” während des Unterrichts behandelt werden soll, fragt ein Mönch: „Aber wenn wir zusammenfassen wollen, was ist nun Geist?” – „Das ist der Geist”, antwortet der Meister. „Aber verehrter Meister, das verstehe ich nicht ganz.” Die Antwort des Meisters kommt sofort: „Ich auch nicht”. Zum Schluß sei noch eine sehr bedenkliche Reaktion erwähnt, die bei Schülern anzutreffen ist, sei es nun, dass sie sich den Kampfkünsten widmen oder Philosophie studieren. Wenn einer wenig weiß, dann wird er arrogant und stolz. Im Zen gilt jedoch, dass mit einer Zunahme des Wissens die Bescheidenheit wächst. Man kann beim Karate oder bei den Kampfkünsten ganz allgemein feststellen, dass nach einem Erreichen des Schwarzen Gürtels, 1. Dan, sogleich an den 2. Dan gedacht wird und man sich schon als Champion sieht.

Karate Meditation

In diesem Zusammenhang sei eine Anektode in Verbindung mit dem Bodhi-Dharma erwähnt, dem berühmtesten und größten Philosophen, der in Indien und China lebte. Der erste Lebensabschnitt in Indien muss, wie er in den Aufzeichnungen erzählt wird, mit einigen Vorbehalten aufgenommen werden. Dies gilt jedoch nicht für den letzten Lebensabschnitt. In diese Zeit fällt auch eine Geschichte, die von Tao-Hsiuan erzählt wird. Die erste wichtige Persönlichkeit mit der Dharma in China zusammentraf, war der König von Liang, einer der höchsten Vertreter der buddhistischen Religion zu dieser Zeit. Das Gespräch verlief wie folgt: Der Kaiser Ou fragte den Bodhi-Dharma: „Seit Beginn meiner Amtszeit habe ich unzählige Tempel bauen und eine Vielzahl heiliger Bücher kopieren lassen. Die Mönche habe ich immer unterstützt. Wie bewerten Sie meine Verdienste?” „Exzellenz, Sie haben überhaupt keine Verdienste”, antwortete der Bodhi-Dharma kühl. „Warum?” fragte der Kaiser erstaunt. „Dies sind alles zweitrangige Handlungen”, antwortete der Bodhi-Dharma; „sie zeigen noch Spuren unserer Welt, sie sind wie Schatten, die den wahren Dingen des Lebens folgen.” Der Kaiser fragte daraufhin den Bodhi-Dharma: „Wie lautet das Grundprinzip der Heiligen Lehre?” „Exzellenz, in der weiten Welt gibt es nichts, das man heilig nennen kann”, lautete die Antwort des Bodhi-Dharma. „Wer sitzt mir nun eigentlich gegenüber?” „Ich weiß es nicht, Exzellenz.” Finden Sie nicht auch, dass dies ein großartiges Beispiel für Einfachheit und „Nicht-Sein” ist. Man wünscht sich, dass diese Werte auch heute die Kampfkünste beherrschen.

 

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